


Oberarzt Dr. med. Torsten Brosche
Telefon: 0371 832 4013
E-Mail: brosche.torsten@drk-chemnitz.de
Oberärztin Dr. med. Marion Tolkmitt
Telefon: 0371 832 4012
E-Mail: tolkmitt.marion@drk-chemnitz.de
Oberärztin Dr. med. Jana Hübner
Telefon: 0371 832 4009
E-Mail: huebner.jana@drk-chemnitz.de
Sekretariat: 0371 832 4003
In unserer Klinik bieten wir ein breites Spektrum von Leistungen an:
Jeden ersten Donnerstag im Monat bietet das Sächsische Beckenbodenzentrum im DRK Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein von 13:00 - 15:30 Uhr eine Telefonsprechstunde für Frauen mit Fragen zu Beckenbodenproblemen an. Telefonnummer: 0371 832 4040
„Die Harninkontinenz bringt Sie nicht um, Sie nimmt Ihnen nur das Leben”
(Jeannette Brown, University of California)
Schon als Kind lernt man, dass man nicht „in die Hose macht“. Für viele Frauen ist aber gerade das ein echtes Problem. Aus Scham sprechen sie mit niemandem darüber. Dabei ist Inkontinenz, der unwillkürliche Harnabgang, verbreiteter als manche chronische Krankheit - und keine normale Alterserscheinung, wie viele annehmen.
Rund 35 Prozent der Frauen sind an Inkontinenz erkrankt, allein in Deutschland etwa 3,2 Millionen. Schon im Alter von 25 bis 29 Jahren leiden Frauen daran. Viele leiden still vor sich hin. Doch Inkontinenz ist gut therapierbar!
Bei der weiblichen Harninkontinenz unterscheidet man zwischen zwei großen Gruppen: der Belastungsinkontinenz und der Dranginkontinenz. Sie treten auch als Mischform auf. Ob Lachen, Husten, Niesen oder Sport – wenn die Bauchmuskulatur angespannt wird und die Spannung des Beckenbodens nicht mehr ausreicht, kommt es zum Urinverlust. Häufig sind ein schwaches Bindegewebe und eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur die Ursache, ausgelöst durch Schwangerschaft, Übergewicht oder schweres Heben. In anderen Fällen ist eine sogenannte „Reizblase“ der Grund für das zwingende Gefühl „auf die Toilette zu müssen“.
Je nach Schwere der Harninkontinenz beziehungsweise in Abhängigkeit der Diagnostik gibt es verschiedene Therapieansätze.
Neben den konventionellen Methoden zur Inkontinenzbehandlung wie Straffung der Beckenbodenmuskulatur (z. B. durch Physiotherapie, Elektrotherapie, Biofeedback) und der medikamentösen Therapien (z. B. durch Östrogene) oder vaginalen Applikationen von Cremes, Zäpfchen und Pessaren, gibt es verschiedene operative Lösungen, die in unserer Klinik durchgeführt werden.
Im Vorfeld eines Eingriffs besprechen unsere Ärzte mit den betroffenen Frauen, ob die Möglichkeiten der konservativen Therapie bereits ausgeschöpft wurden und wie groß sind die Beschwerden beziehungsweise der Leidensdruck ist. Sie informieren über die Erfolgschancen und Risiken einer Operation. Daran schließen sich eine Reihe von Voruntersuchungen an. Unter anderem wird mittels Fragebogen die Vorgeschichte erfasst.
Die Therapie der Harninkontinenz wird mit den Patientinnen individuell festgelegt. Neben allen klassischen Operationen (offen oder endoskopisch) kommen zunehmend minimal-invasive Methoden zum Einsatz. Einige sollen nachfolgend kurz vorgestellt werden.

TVT (Tension-free Vaginal Tape) ist ein spannungsfreies Vaginal-Band. Es besteht aus einem dauerhaften, gut verträglichen Polypropylengewebe, das nach wenigen Wochen im Körper einwächst.
Der Operateur führt das Band durch einen kleinen Schnitt in der Scheidenwand ein und platziert es mittig unter der Harnröhre. Diese Stütze stellt den ursprünglichen Verschlussmechanismus wieder her. Der Eingriff dauert ca. 15 Minuten und kann in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Je nach Heilungsverlauf kann die Patientin nach 1 bis 2 Tagen wieder nach Hause gehen.
Das spannungsfreie Vaginalband wird seit 1996 mit großem Erfolg eingesetzt. Studien belegen eine Heilungsrate von über 80 Prozent.
Bulkamid ist ein sogenanntes „bulking agent“- ein chemischer Füllstoff. Das sterile Hydro-Gel besteht zu 97.5% aus Wasser und zu 2.5% aus vernetzten Polyacrylamiden. Nach seiner Einbringung bildet sich ein bindegewebartiges Netzwerk und verbindet sich mit dem Körpergewebe. Das Hydrogel löst sich nicht auf und kann deshalb dauerhaft wirken
Bulkamid zeichnet sich durch eine kurze Eingriffszeit, eine geringe Komplikationsrate, einfache und effektive Anwendung aus. Es kommt unter anderem bei Patientinnen zum Einsatz, deren Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist oder die ein minimal-invasives Vorgehen favorisieren. Bulkamid ist biokompatibel und weder resorbierbar noch migrationsfähig, weder toxisch noch allergen oder biologisch abbaubar. Es ist permeabel (durchlässig) für Wasser, Ionen und Sauerstoff, ph-7-neutral und sowohl elastisch als auch gleichermaßen kohäsiv.
Zur OP-Vorbereitung gehören neben einer sorgfältigen Anamnese, einem Miktionsprotokoll und umfassenden Diagnostik mit Ultraschall und Laborwerten, auch die Untersuchung der Harnblasenfunktion (urodynamische Messung). Falls erforderlich, wird die Diagnostik durch eine Spiegelung der Harnblase (Urethrozystoskopie) ergänzt.

Während des rund zehnminütigen Eingriffs wird unter Lokalanästhesie über ein nur etwa 2,7 mm großes Urethroskop mit eingebauter Kamera das Gel an drei Stellen durch die Harnröhre in das Umgebungsgewebe der Harnröhre gespritzt. Die Harnröhre wird künstlich unterpolstert und deren Verschluss verbessert.
Der Arzt sieht über einen Monitor die genaue Platzierung und den Fortschritt des Verschlusses. Das ermöglicht eine ganz individuelle Dosierung.



Bulkamid kommt in Chemnitz-Rabenstein seit 2005 zum Einsatz. Chefarzt Dr. med. Kurt Lobodasch war der Erste, der es dauerhaft einsetzte und langfristig Daten sammelte. Mit diesem Wissen und seiner Erfahrung in der Anwendung von Bulkamid ist er ein weltweit begehrter Referent. Um die Anwendung von Bulkamid zu erlernen, kommen Spezialisten aus ganz Europa zu den monatlichen Workshops nach Rabenstein.
Eigene Studien belegen die positiven Ergebnisse der transurethralen Injektionstherapie. Alle jungen Frauen unter 35 Jahren bezeichneten sich nach der Bulkamid-Therapie als geheilt. Bei 87 Prozent der Frauen ist eine objektive Verbesserung nachweisbar.


